Tennis: Gauff besiegt Andreeva und erreicht Halbfinale in Rom
Coco Gauff drehte einen Rückstand und besiegte Mirra Andrejewa mit 4:6, 6:2, 6:4.
Hauptgeschehen
Beim prestigeträchtigen WTA-1000-Turnier in Rom endete eines der spannendsten und dramatischsten Matches der Sandplatzsaison. Am 12. Mai 2026 feierte die amtierende Roland-Garros-Siegerin und Weltranglistenvierte Coco Gauff aus den USA im Viertelfinale der Internazionali BNL d'Italia ein Comeback gegen die 19-jährige Mirra Andrejewa. Die Partie auf den ikonischen Plätzen des Foro Italico endete 4:6, 6:2, 6:4 zugunsten der Amerikanerin, die damit ihr erstes Halbfinale in Rom erreichte.
Die Begegnung dauerte 2 Stunden und 20 Minuten und hielt das Publikum bis zum letzten Punkt in Atem. Andrejewa, die Siebte der Weltrangliste und an Nummer acht gesetzt, begann das Match glänzend. Gauff hingegen bewies erneut, dass sie eine der mental stärksten Spielerinnen auf der Tour ist. Für die 22-jährige Amerikanerin war es der zehnte Dreisatzsieg der Saison – sie führt diese Kategorie gemeinsam mit Andrejewa und Jessica Pegula an.
Details und Statistiken
Von den ersten Punkten an ergriff Andrejewa die Initiative. Die Russin spielte aggressiv und variierte ihr Spiel: Sie mischte kraftvolle Grundlinienschläge mit unerwarteten Netzangriffen und Stoppbällen. Allein im ersten Satz schlug Mirra 10 Winner bei nur 7 unerzwungenen Fehlern – eine beeindruckende Statistik gegen eine der besten Verteidigerinnen der Tour. Das Ergebnis war ein souveräner 6:4-Sieg im ersten Durchgang.
Im zweiten Satz jedoch änderte sich das Momentum komplett. Gauff stellte sich ein, verbesserte ihre Bewegung und übernahm die volle Kontrolle. Ihre defensiven Fähigkeiten wurden zur Grundlage für Konterangriffe: Immer wieder zwang sie Andrejewa, einen zusätzlichen Schlag zu spielen, und die Fehler häuften sich. Der Satz endete 6:2 zugunsten von Gauff.
Die wahre Dramatik entfaltete sich im Entscheidungssatz. Entgegen der Logik des vorherigen Satzes kam Andrejewa erneut stark aus der Startlöchern und baute eine komfortable 4:1-Führung auf. Es schien, als stünde eine Überraschung bevor. Doch von diesem Punkt an entfesselte Gauff ihr typisches Defensivtennis. Sie gewann fünf Spiele in Folge und servierte bei 5:1 zum Match. Als die Ziellinie schon nahe schien, kämpfte sich Andrejewa zurück, gewann drei Spiele in Folge und verkürzte auf 4:5. Im letzten Spiel benötigte die Amerikanerin fünf Matchbälle, um den Sieg endgültig unter Dach und Fach zu bringen.
Die endgültigen Statistiken spiegeln die zermürbende Natur des Kampfes wider. Andrejewa schlug 3 Asse, leistete sich 6 Doppelfehler und verwandelte 5 von 12 Breakbällen. Gauff hatte 2 Asse, 4 Doppelfehler und verwandelte 7 von 17 Breakbällen. Finanziell gesehen sichert sich die Amerikanerin mit dem Einzug ins Halbfinale ein Preisgeld von 289.115 €. Ein Sieg im nächsten Match würde diese Summe auf 549.335 € erhöhen.
Kontext und Bedeutung
Dieses Match war das fünfte Aufeinandertreffen zwischen Gauff und Andrejewa, und der direkte Vergleich steht nun bei 5:0 zugunsten der Amerikanerin. Für die 19-jährige Andrejewa ist diese Niederlage besonders schmerzhaft – wieder einmal war sie nah dran, die unglückliche Serie zu durchbrechen, konnte aber ihre Führung im entscheidenden Moment nicht halten.
Vor dem Turnier in Rom galt Andrejewa als die größte Sandplatzbedrohung für die Topspielerinnen. Sie kam mit 15 Sandplatzsiegen in dieser Saison in die Ewige Stadt, darunter ein Titel beim WTA-500-Turnier in Linz und eine Finalteilnahme in Madrid. Ihr Spiel auf langsamen Belägen ist deutlich konstanter und aggressiver geworden, und die Fans erwarteten einen großen Durchbruch vor Roland Garros. Doch die Mauer namens Coco Gauff erwies sich erneut als unüberwindbar.
Für die Amerikanerin ist dieses Halbfinale historisch – ihr erstes in Rom. Ihre Fähigkeit, scheinbar aussichtslosen Situationen zu entkommen, ist zu einem heißen Thema in Tenniskreisen geworden. Bemerkenswerterweise rettete Gauff am Tag zuvor, am 10. Mai, in ihrem Match gegen die Landsfrau Iva Jovic einen Matchball im zweiten Satz, bevor sie das Spiel drehte.
Nach dem Match betonte Gauff, dass die Psychologie der Schlüssel war: „Worauf bist du heute am meisten stolz? – Dass ich wieder mental stark bleiben konnte. Ich hatte im dritten Satz eine große Führung, aber irgendwann wurde es etwas eng. Sie ist eine großartige Spielerin und kann gewinnen. Ich habe ein bisschen gelernt, wie man solche Matches zu Ende bringt.“
Die ehemalige Weltranglistenzweite Swetlana Kusnezowa kommentierte das Ergebnis: „So einfach es klingt, heute war das Ergebnis eine Folge von unerzwungenen Fehlern. Mirra hatte viele Chancen gegen Coco, und das ist großartig, aber sie konnte sie nicht nutzen. Viel Glück bei Roland Garros.“
Ausblick / Vorschau auf das nächste Match
Im Halbfinale trifft Coco Gauff auf die 36-jährige Rumänin Sorana Cîrstea, die 27. der Weltrangliste. Cîrstea spielt ein fantastisches Turnier, das sie als ihre „Abschiedssaison“ auf der Tour bezeichnet. Im Viertelfinale besiegte sie Jelena Ostapenko überzeugend mit 6:1, 7:6(0) und gab im Tiebreak keinen einzigen Punkt ab. Der Einzug ins Halbfinale in Rom ist ihr bestes Ergebnis bei diesem Turnier in ihrer Karriere.
Der direkte Vergleich spricht mit 3:0 deutlich für die Amerikanerin. Dennoch sollte die erfahrene Rumänin nicht unterschätzt werden: Ihr Tennis bei diesem Turnier war auf höchstem Niveau, und das Fehlen von psychologischem Druck erlaubt ihr, frei und aggressiv zu spielen.
Das Halbfinale wird der Höhepunkt des Mittwochs im Damenprogramm sein. In der anderen Hälfte des Tableaus treffen Elena Rybakina und Elina Switolina sowie Iga Swiatek und Jessica Pegula aufeinander – diese Viertelfinalpartien versprechen ebenso intensiv zu werden. Das Turnier in Rom geht in seine entscheidende Phase, und für alle Teilnehmerinnen dient es als wichtiger Härtetest vor den French Open, die in zwei Wochen beginnen.
— Editorial Team