Uefas Vereinswettbewerbe brechen bald die Milliardengrenze bei Sponsoreneinnahmen
Die UEFA steht kurz davor, ab dem kommenden Jahr jährlich über eine Milliarde Euro an Sponsorengeldern für ihre Vereinswettbewerbe einzunehmen. Das entspricht einem massiven Sprung von mehr als 40 % gegenüber dem aktuellen Niveau. Der Geldsegen kommt, während der Fußballverband zwei weitere große globale Partnerschaftsverträge finalisiert und damit seinen Kreis der Top-Sponsoren komplettiert.
Dieser Sponsoring-Boom kommt zu dem bereits enormen Anstieg hinzu, den die UEFA durch den Verkauf des ersten Blocks der TV-Rechte für den Zyklus 2027-31 erzielt hat. Zusammengenommen sollen diese Einnahmequellen die jährlichen Gesamteinnahmen der UEFA auf über 6 Milliarden Euro steigern – ein deutlicher Sprung von den derzeitigen 4,4 Milliarden Euro. Da der Großteil dieses Geldes an die Vereine der Champions League fließt, wird die finanzielle Kluft im europäischen Fußball voraussichtlich noch größer werden.
Wie die UEFA die Kassen klingeln lässt
Die kommerzielle Abteilung des Verbands, UC3, hat ihre gesamte Verkaufsstrategie überarbeitet. Sie hat eine neue Struktur mit vier 'erhöhten Partnern' geschaffen, die Markenpräsenz in allen drei Wettbewerben erhalten – der Champions League, der Europa League und der Conference League. Dies verschafft den Sponsoren Sichtbarkeit in über 530 Spielen pro Saison, verglichen mit nur 189, wenn sie ausschließlich die Champions League sponsern würden.
Acht weitere Sponsoring-Pakete sind verfügbar, diese konzentrieren sich jedoch ausschließlich auf die Champions League. Die Agentur Relevent Football Partners, die letztes Jahr beauftragt wurde, setzte aggressive Mindestpreise fest. Für die Top-Pakete lag der Mindestpreis bei 120 Millionen Euro pro Jahr.
Bereits gesicherte Schlüsselverträge umfassen:
- AB InBev (Bierpartner): Hat sich verpflichtet, jährlich 230 Millionen Euro zu zahlen und beendet damit die 35-jährige Partnerschaft mit Heineken.
- Pepsi (Erfrischungsgetränke): Verlängerte sein Sponsoring um weitere sechs Jahre zu einem Preis über dem Mindestpreis.
- Nike: Befindet sich in exklusiven Gesprächen, um Adidas als offiziellen Spielballausrüster abzulösen.
Die beiden noch ausstehenden Verträge – mit einem offiziellen Zahlungsdienstleister und einem Technologiepartner – sollen zusammen mindestens weitere 250 Millionen Euro pro Jahr einbringen.
Die wachsende finanzielle Kluft im europäischen Fußball
Der Zustrom von Geld verschärft die Debatte darüber, wie der Reichtum im Fußball verteilt wird. Derzeit schüttet die UEFA 74 % ihres Preisgeldfonds für Vereinswettbewerbe an die Teilnehmer der Champions League aus. Vereine der Europa League erhalten 17 %, und Vereine der Conference League erhalten 9 %. Dieses Modell bedeutet, dass die größten Vereine am meisten profitieren.
In der letzten Saison erhielten sieben Vereine allein über 100 Millionen Euro an UEFA-Preisgeldern, wobei Paris Saint-Germain mit 144,4 Millionen Euro für den Gewinn der Champions League an der Spitze stand. Kritiker warnen, dass diese wachsende finanzielle Kluft die Wettbewerbsbalance auf dem Kontinent gefährdet.
Bei einem kürzlichen Treffen schlug die Union of European Clubs ein alternatives Modell vor:
- Die Einnahmen zu 50 % an Champions-League-Vereine, zu 30 % an Europa-League-Vereine und zu 20 % an Conference-League-Vereine verteilen.
- Einen anteiligen Teil dieses Geldes zurück in die nationalen Ligen der qualifizierenden Vereine fließen lassen, anstatt es direkt an die Vereine selbst auszuzahlen.
Angesichts des Einflusses der Elitevereine innerhalb des UC3-Joint-Ventures ist es jedoch unwahrscheinlich, dass dieser umverteilungsorientiertere Vorschlag ernsthaft an Fahrt gewinnt. Die UEFA und ihre kommerziellen Partner lehnten es ab, sich zu den Finanzprognosen oder Verteilungsdebatten zu äußern.
Wichtige Erkenntnisse
- Rekordeinnahmen: Die Sponsoreneinnahmen für Uefas Vereinswettbewerbe werden ab 2027 voraussichtlich eine Milliarde Euro pro Jahr übersteigen – ein Anstieg von mehr als 40 %.
- Neue kommerzielle Strategie: Eine überarbeitete Verkaufsstruktur schuf 'erhöhte Partner' mit Rechten in allen drei Wettbewerben, um die Markenpräsenz zu maximieren.
- Große Verträge gesichert: AB InBev und Pepsi haben riesige Sechsjahresverträge unterzeichnet, während Nike über die Lieferung von Spielbällen verhandelt.
- Wachsende finanzielle Kluft: Das aktuelle Verteilungsmodell leitet den Großteil der neuen Einnahmen an Elitevereine der Champions League weiter und verschärft die Ungleichheit.
- Umverteilungsvorschläge: Gruppen wie die Union of European Clubs setzen sich für eine gerechtere Aufteilung und Mittel für nationale Ligen ein, haben aber einen schweren Stand.
— Editorial Team