Wimbledon-Geschichte: Das prestigeträchtigste Grand-Slam-Turnier
Die Wimbledon Championships, offiziell als „The Championships" bekannt, sind der heiligste Boden des Tennis. Als ältestes Tennisturnier der Welt und einziges Grand-Slam-Turnier, das noch auf Naturrasen ausgetragen wird, zeichnet sich Wimbledon durch eine reiche Geschichte voller Tradition, Widerstandsfähigkeit und sportlicher Exzellenz aus, die den Sport geprägt hat, wie wir ihn heute kennen. Von seinen bescheidenen Anfängen als Spendenaktion auf einem Rasenplatz des Croquet-Clubs bis hin zu einem global im Fernsehen übertragenen Ereignis, das von Milliarden verfolgt wird, spiegelt die Geschichte des Wimbledon-Tennisturniers die Entwicklung des Tennis von einer vornehmen viktorianischen Freizeitbeschäftigung zu einem modernen, hart umkämpften Profisport wider.
Was Sie lernen werden
Am Ende dieses Artikels werden Sie die bemerkenswerte Reise Wimbledons von einem reinen Herrenturnier zu einem globalen Sportphänomen verstehen. Sie erfahren mehr über die entscheidenden Momente, die seine Entwicklung geprägt haben, von der Einführung der Damenwettbewerbe bis zum Beginn der Open Era. Am wichtigsten ist, dass Sie nachvollziehen können, wie die zentralen Traditionen des Turniers, wie die weiße Kleiderordnung und die Rasenplätze, seit über 140 Jahren bewahrt wurden, was es zu einem einzigartigen und beständigen Pfeiler der Sportwelt macht.
Die Geburt einer Tradition: 1877
Die Geschichte Wimbledons begann nicht mit einer großen Vision, sondern mit einem praktischen Bedarf. In den 1870er Jahren benötigte der All England Croquet Club in Wimbledon, London, Geld, um eine kaputte Walze zu reparieren. Um Geld zu sammeln, beschlossen sie, ein Rasentennisturnier zu veranstalten – ein neues und modisches Spiel, das als Outdoor-Version des „echten Tennis" immer beliebter wurde.
Am 9. Juli 1877 fand die erste Wimbledon-Meisterschaft statt. Sie war weit entfernt von dem Spektakel, das wir heute kennen. Das Turnier umfasste nur eine einzige Disziplin: das Herreneinzel. Zweiundzwanzig Amateurspieler zahlten ein Startgeld von einem Pfund und einem Schilling, um teilzunehmen. Im Finale besiegte Spencer William Gore William Marshall mit 6:1, 6:2, 6:4 in nur 48 Minuten vor etwa 200 Zuschauern, die jeweils einen Schilling Eintritt zahlten. Der Sieger erhielt eine Trophäe im Wert von 25 Guineen. Obwohl das Finale wegen Regens verschoben werden musste – eine Art Tradition, die bis 2009 Bestand haben sollte – wurde das Turnier als Erfolg gewertet und kehrte im folgenden Jahr zurück, was den Grundstein für die prestigeträchtige Geschichte des Wimbledon-Tennisturniers legte.
Ausbau der Meisterschaften: Damen, Doppel und die ersten Überseestars
Das Turnier wuchs rasant. 1884, sieben Jahre nach dem ersten Herrenwettbewerb, führte Wimbledon das Dameneinzel und Herrendoppel ein, wobei nur 13 Frauen am ersten Damenwettbewerb teilnahmen. Maud Watson wurde die erste Meisterin. Das Damendoppel und das gemischte Doppel kamen später, im Jahr 1913, hinzu. In dieser Zeit traten auch die ersten Stars des Turniers hervor, darunter die britischen Zwillinge Ernest und William Renshaw, die in den 1880er Jahren dominierten, 13 Titel zwischen ihnen gewannen und eine Welle der Popularität auslösten, die als „Renshaw Rush" bekannt wurde.
In den ersten drei Jahrzehnten dominierten britische Spieler das Turnier. Diese Ära der Vorherrschaft endete jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts, als die übrige Tenniswelt aufzuholen begann. 1905 wurde May Sutton aus den USA die erste Überseemeisterin, die den Titel im Dameneinzel gewann. Ihr folgte bald Norman Brookes aus Australien, der 1907 der erste ausländische Herrenmeister wurde. Brookes' Sieg war ein Wendepunkt und läutete eine neue internationale Ära für das Tennis ein. Nach seinem Sieg gewannen bis zu Andy Murrays Triumph im Jahr 2013 nur zwei britische Männer, Arthur Gore und Fred Perry, den Einzeltitel.
Ein neues Zuhause und ein goldenes Zeitalter
Die 1920er Jahre waren ein entscheidendes Jahrzehnt. 1922 zogen die Meisterschaften vom ursprünglichen Standort an der Worple Road an ihren heutigen Standort in der Church Road, wo der ikonische Centre Court mit einer Kapazität von fast 14.000 Zuschauern gebaut wurde. Im selben Jahr wurde das „Challenge Round"-System abgeschafft, was bedeutete, dass der Titelverteidiger nicht mehr automatisch ins Finale einzog, sondern wie alle anderen Spieler von Anfang an antreten musste. Diese Änderungen trugen dazu bei, das Spiel noch populärer zu machen.
Dieses Jahrzehnt markierte auch ein goldenes Zeitalter des französischen Tennis. Suzanne Lenglen dominierte das Dameneinzel, gewann fünf aufeinanderfolgende Titel von 1919 bis 1923 und wurde der erste globale Star des Sports. Sie wurde kurzzeitig von Helen Wills Moody in den Schatten gestellt, die in den 1920er und 30er Jahren acht Titel gewann. Auf der Herrenseite gewannen die „Vier Musketiere" – Jean Borotra, Jacques Brugnon, Henri Cochet und René Lacoste – sechs der sieben Herreneinzeltitel zwischen 1924 und 1929.
Krieg, Open Tennis und die Moderne
Die Meisterschaften wurden zweimal aufgrund der Weltkriege abgesagt, wobei vier Jahre durch den Ersten Weltkrieg und sechs Jahre durch den Zweiten Weltkrieg verloren gingen. Der Zweite Weltkrieg führte auch dazu, dass eine Bombe das Dach des Centre Court traf und Schäden verursachte, die rechtzeitig zum Turnier 1949 repariert wurden.
Ein monumentaler Wandel vollzog sich 1968, als Wimbledon in die „Open Era" eintrat und erstmals Profispielern erlaubte, neben Amateuren anzutreten. Diese Entscheidung, die auf einen zunächst abgelehnten Vorschlag von 1959 folgte, festigte Wimbledons Status als das weltweit führende Tennisevent. Die ersten Meister dieser neuen Ära waren Rod Laver und Billie Jean King, deren Namen nun in die Tennisgeschichte eingraviert sind. Die gleiche Preisgelder für Männer und Frauen, ein bahnbrechender Erfolg im Sport, wurden schließlich 2007 vergeben.
Die Moderne wurde von ikonischen Rivalitäten und legendären Meistern geprägt. Die 1980er Jahre waren geprägt von den epischen Schlachten zwischen Bjorn Borg, John McEnroe und Jimmy Connors. In den 1990er Jahren dominierten Pete Sampras und Steffi Graf die Rasenplätze, wobei Sampras mit damals sieben Herrentiteln einen Rekord aufstellte. Die 2000er Jahre sahen den Aufstieg von Roger Federer, der schließlich einen Rekord von acht Herreneinzeltiteln erringen sollte, und der Williams-Schwestern, Serena und Venus, die in diesem Jahrzehnt acht von zehn Damenfinals gewannen. 2013 beendete Andy Murray eine 77-jährige Wartezeit auf einen britischen Herrenmeister – ein Beweis für die anhaltende emotionale Verbundenheit des Turniers mit seinem Heimatland.
Das einzige Grand-Slam-Turnier auf Rasen
Die Geschichte des Wimbledon-Tennisturniers ist untrennbar mit seinem Belag verbunden. Wimbledon ist das einzige der vier Grand-Slam-Turniere, das noch auf Rasen gespielt wird – eine Tradition, die es von den Hartplätzen der US- und Australian Open und dem Sand der French Open unterscheidet. Dieser besondere Belag erfordert einen einzigartigen Spielstil – schnell, mit niedrigem Absprung und belohnt Aufschlag-Volley-Taktiken, was eine spezifische und geschätzte Herausforderung für die Spieler darstellt.
Unverwechselbare Traditionen
Wimbledons Reiz liegt nicht nur im Tennis, sondern auch in seinen tief verwurzelten Traditionen. Die strenge weiße Kleiderordnung ist vielleicht die berühmteste Regel; Spieler müssen „fast vollständig weiße" Kleidung tragen, eine Tradition, die bis in die viktorianische Ära zurückreicht. Nur ein dünner einzelner Farbstreifen von unter 10 mm ist am Kragen, an den Ärmeln, Hosen oder Röcken erlaubt. Der Verzehr von Erdbeeren mit Sahne ist ein weiterer beliebter Brauch, wobei jährlich etwa 28.000 kg Erdbeeren verzehrt werden. Das Turnier pflegt auch seine Verbindung zur britischen Königsfamilie, was seine Aura von Prestige und Erbe verstärkt.
Quellen
- Sky HISTORY. „New balls please: The history of Wimbledon."
- The Washington Post. „Tradition reigns at Wimbledon 140 years after the tennis tournament began."
- NDTV Sports. „Wimbledon's Illustrious history."
- BBC Sport. „The start of something special."
- Britannica. „Wimbledon Championships."
- India Today. „Humble beginnings to massive event: How Wimbledon changed through the years."
- Sportskeeda. „Wimbledon: A look at the evolution of the iconic tournament over the years."
- Sky Sports. „Wimbledon - A potted history."
- BBC Sport. „Wimbledon through the ages."
- Wimbledon.com. „History."
— Editorial Team