Matt Crockers Vermächtnis beim US-Fußball: Erfolge, Fehlschläge und ein plötzlicher Abschied
Matt Crockers Zeit als Sportdirektor des US-Fußballverbands endete diese Woche abrupt und hinterließ eine gemischte Bilanz, kurz vor der WM 2026. 2023 eingestellt, um eine langfristige Vision aufzubauen, wechselt Crocker nun nach drei Jahren, geprägt von einem klaren Erfolg, einem großen Misserfolg und mehreren unvollendeten Projekten, nach Saudi-Arabien.
Das Trainer-Karussell: Von Berhalter zu Pochettino
Crocker musste zunächst entscheiden, ob Gregg Berhalter nach der WM 2022 als Trainer der US-Männer-Nationalmannschaft weiterbeschäftigt werden sollte. Berhalters Vertrag war nach dem Achtelfinal-Aus ausgelaufen, und Crocker führte eine monatelange, wie er es nannte, "umfassende und evidenzbasierte" Suche durch. Trotz der Prüfung von Alternativen wie Jesse Marsch und Patrick Vieira holte Crocker letztlich Berhalter zurück.
Der Schritt ging spektakulär nach hinten los. Die US-Männer-Mannschaft fand nie zu ihrer Vorm-WM-Dynamik zurück, und Berhalter wurde nach dem Scheitern in der Gruppenphase der Copa América 2024 im eigenen Land entlassen. Damit verschwendete das Programm 19 Monate zwischen den WM-Zyklen – wertvolle Zeit, die für den Aufbau zur WM 2026 hätte genutzt werden können.
Crocker's Nachfolger-Wahl sorgte aus anderen Gründen für Stirnrunzeln. Die Verpflichtung von Mauricio Pochettino brachte dem US-Männer-Programm den prominentesten Trainer seiner Geschichte ein, bedeutete aber auch, jemanden ohne jegliche internationale Erfahrung zu holen. Die ersten Ergebnisse sind nicht vielversprechend – die Mannschaft erlitt in jüngsten Freundschaftsspielen schwere Niederlagen, und Pochettino scheint sich nach über einem Jahrzehnt bei Top-Klubs schwer mit dem internationalen Fußball zu tun.
Die Emma-Erfolgsgeschichte
Während die Männer-Seite kämpfte, traf Crocker seine wichtigste Entscheidung für das Frauen-Programm perfekt. Nachdem das US-Frauenteam 2023 sein schlechtestes WM-Ergebnis aller Zeiten erzielt hatte, handelte Crocker schnell und holte Emma Hayes nach ihrer legendären Zeit bei Chelsea.
Das Timing erwies sich als perfekt. Hayes stellte sofort das Vertrauen des Teams wieder her und führte es 2024 mit weitgehend demselben Kader, der im Vorjahr enttäuscht hatte, zu Olympia-Gold. Noch wichtiger: Sie implementierte den sogenannten "WNT Way" – ein Programm, das speziell für den Frauenfußball entwickelt wurde, anstatt das Männer-Modell zu kopieren.
Heute gehören die US-Frauen wieder zu den Favoriten für die nächste Frauen-WM in Brasilien – eine bemerkenswerte Wende im Vergleich zu ihrer Situation bei Crockers Amtsantritt.
Das unvollendete "US Way"-Projekt
Neben Trainer-Verpflichtungen kam Crocker mit einem ehrgeizigen Plan namens "US Way" an, um den amerikanischen Fußball zu transformieren. Die dreiteilige Strategie konzentrierte sich auf:
- Karrierewege: Schaffung klarerer Wege vom Jugend- zum Profifußball
- Infrastruktur: Bau besserer Einrichtungen und Unterstützungssysteme
- Spielerentwicklung: Verbesserung von Trainern und Talenterkennung landesweit
Es gab einige Fortschritte. Crocker führte Talenterkennungs-Camps ein, die Trainer aus dem ganzen Land zusammenbringen, und Trainer-Bildungsressourcen wurden über die Verbands-Website zugänglicher. Der Strategie-Tracker für Karrierewege auf der US-Soccer-Website zeigt jedoch, dass das Projekt erst bei Schritt vier von sieben steht, mit einer geplanten Fertigstellung 2028 – zwei Jahre nach Crockers Weggang.
Finanzielle Unterstützung und plötzlicher Abgang
Der US-Fußballverband investierte deutlich mehr in Crockers Vision als frühere Sportdirektoren erhielten. Wichtige Entwicklungen sind:
- Emma Hayes wurde die bestbezahlte Trainerin der Welt
- Mauricio Pochettino verdiente über 5 Millionen Dollar für sieben Monate Arbeit
- Ein neues Nationales Trainingszentrum in Georgia kostete fast 250 Millionen Dollar
Diese Investitionen wurden von Milliardärs-Spendern wie Ken Griffin und Arthur Blank unterstützt. Ironischerweise wechselt Crocker nun nach Saudi-Arabien – eines der wenigen Länder, das noch aggressiver in die Fußballentwicklung investiert.
Während einer kürzlichen Besichtigung des neuen Trainingszentrums scherzte Crocker darüber, dass Mitarbeiter in der Indoor-Halle Freizeitspiele austragen. Er wird nun ein hochrangiger Gast sein, sollte er je zurückkehren, wobei seine neuen Arbeitgeber wahrscheinlich alle Kosten übernehmen.
Wichtige Erkenntnisse
- Emma Hayes war Crockers Meisterstreich: Ihre Verpflichtung verwandelte das Frauen-Programm von der Krise zur Titelanwärterin.
- Die Rückholung Berhalters scheiterte komplett: Die Verschwendung von 19 Monaten zwischen WM-Zyklen warf das Männer-Programm deutlich zurück.
- Pochettino bleibt unbewiesen: Sein Mangel an internationaler Erfahrung zeigt sich in den frühen Schwierigkeiten.
- Das "US Way"-Projekt ist unvollendet: Wichtige Infrastruktur- und Entwicklungsziele werden erst 2028 fertig sein.
- Geld floss, aber Geduld fehlte: Trotz beispielloser finanzieller Unterstützung ging Crocker, bevor er seine langfristige Vision verwirklicht sah.
Crocker hinterlässt ein Vermächtnis der Kontraste – brillanter Erfolg mit dem Frauen-Programm, enttäuschendes Scheitern mit den Männern und ehrgeizige Pläne, die andere vollenden müssen. Sein plötzlicher Wechsel nach Saudi-Arabien lässt den US-Fußballverband kurz vor der WM 2026 auf der Suche nach Kontinuität zurück.
— Editorial Team