Richter im Finanzfall von Manchester City fällt endgültiges Urteil
Der Skandal um Manchester City neigt sich dem Ende zu: Eine unabhängige Premier-League-Kommission hat den Verein in 80 von 115 Anklagepunkten wegen Verstoßes gegen das Financial Fair Play für schuldig befunden. Eine offizielle Bekanntgabe der Strafe, die eine hohe Geldstrafe und einen Punktabzug umfassen könnte, wird in den kommenden Tagen erwartet.
Hauptgeschehen
Entgegen in den Medien kursierenden Behauptungen über ein endgültiges Urteil im Fall Manchester City hat die unabhängige Premier-League-Kommission noch keine offizielle Entscheidung veröffentlicht. Die Information, dass der Verein in 80 von 115 Anklagepunkten für schuldig befunden wurde, ist falsch – es wurde bis zum 20. Mai 2026 kein öffentliches Urteil verkündet. Zudem sind sich Rechtsexperten einig, dass die endgültige Lösung dieses beispiellosen Falls möglicherweise erst im Juni kommt.
Die Saga, die mit einer offiziellen Untersuchung im Jahr 2019 begann und im Februar 2023 zu 115 Anklagepunkten führte, hat sich so lange hingezogen, dass selbst die Beteiligten keine genauen Zeitpläne nennen wollen. Sportanwalt Tom Murray, der mit den am Fall arbeitenden Barristern gesprochen hat, sagte: „Ich habe mit Barristern gesprochen, die in den Prozess involviert sind, und selbst sie wissen nicht, wann die Entscheidung veröffentlicht wird.“ Er deutete an, dass selbst in zwei Jahren das endgültige Ergebnis möglicherweise noch unbekannt sein könnte – abhängig von unvermeidlichen Berufungen.
Details und Statistiken
Die Anhörungen vor der unabhängigen Kommission, bestehend aus drei Richtern, begannen am 16. September 2024 und endeten nach 12 Wochen im Dezember desselben Jahres. Seitdem ist fast eineinhalb Jahre vergangen, und das Urteil steht noch aus. Der ehemalige Finanzberater von City, Stefan Borson, nannte die Verzögerung „absurd“: „18 Monate, um eine Entscheidung in einem privaten Schiedsverfahren zu verfassen, liegt eindeutig jenseits aller vernünftigen Grenzen.“
Nach Informationen, die er aus Rechtskreisen erhalten hat, steht die Erstellung des endgültigen Dokuments kurz vor dem Abschluss, und die Parteien erwarten eine Veröffentlichung „bald nach Saisonende“. Borson hält Juni 2026 für den wahrscheinlichsten Zeitrahmen. Er betonte jedoch, dass „die am Prozess Beteiligten mit ihren Vorhersagen schon früher falsch lagen.“
Die 115 Anklagepunkte decken einen Zeitraum von neun Jahren ab – von 2009 bis 2018 – und betreffen mehrere Kategorien von Verstößen. Dazu gehören: die Nichtbereitstellung genauer Finanzinformationen, einschließlich Einzelheiten zu Zahlungen an Spieler und Trainer in den Spielzeiten 2009/10 bis 2017/18; die Nichteinhaltung der Financial-Fair-Play-Regeln der UEFA in den Spielzeiten 2013/14 bis 2017/18; Verstöße gegen die Rentabilitäts- und Nachhaltigkeitsregeln der Premier League in den Spielzeiten 2015/16 bis 2017/18; sowie die mangelnde Kooperation mit der Untersuchung der Liga von Dezember 2018 bis Februar 2023.
Murray vermutet, dass Manchester City in mindestens einigen Anklagepunkten für schuldig befunden wird: „Bei so vielen Anklagepunkten glaube ich nicht, dass sie ungeschoren davonkommen.“ Der Experte warnte jedoch auch, dass der Prozess so lange wie möglich in die Länge gezogen wird – jedes Urteil der Kommission wird mit ziemlicher Sicherheit angefochten, und die Berufung könnte sich über Jahre hinziehen.
Kontext und Bedeutung
Der Fall Manchester City wird bereits als der größte in der englischen Fußballgeschichte bezeichnet. Der Verein, der seit der Ankunft von Scheich Mansour im Jahr 2008 achtmal die Premier League gewonnen hat, bestreitet alle Anklagepunkte kategorisch und besteht darauf, „unwiderlegbare Beweise“ für seine Unschuld zu haben. Cheftrainer Pep Guardiola hat wiederholt erklärt: „Jeder ist unschuldig, bis seine Schuld bewiesen ist. Die unabhängige Kommission wird entscheiden, und ich warte darauf.“
Die Anklagepunkte basieren auf Materialien, die 2018 vom deutschen Magazin Der Spiegel veröffentlicht wurden. Journalisten behaupteten, dass interne Vereinsdokumente aufgeblähte Sponsoreneinnahmen von der staatlichen Fluggesellschaft Etihad und dem Telekommunikationsunternehmen Etisalat zeigten – im Wesentlichen wurden direkte Investitionen der Abu Dhabi United Group, der Holdinggesellschaft von Vereinsbesitzer Scheich Mansour, als Sponsoringeinnahmen getarnt. Dies ermöglichte es dem Verein, die von der UEFA 2011 und der Premier League 2012 eingeführten Beschränkungen zu umgehen. Es gab auch Vorwürfe geheimer Zahlungen an den ehemaligen Trainer Roberto Mancini über Beraterverträge mit einem Verein aus Abu Dhabi.
Die Bandbreite möglicher Sanktionen reicht von einer hohen Geldstrafe über Punktabzug, Titelentzug bis hin zum Ausschluss aus der Premier League. Citys Anwälte werden voraussichtlich den Chelsea-Präzedenzfall anführen: Der Londoner Verein erhielt eine Geldstrafe von 10 Millionen Pfund und eine bedingte Transfersperre für Verstöße unter dem früheren Besitzer Roman Abramowitsch. Laut Borson wird die Verteidigung eine Geldstrafe von 20 Millionen Pfund vorschlagen und argumentieren, dass die Situationen ähnlich seien.
Der ehemalige City-Kapitän Richard Dunne kritisierte die Verzögerung: „Es ist lächerlich, wie lange sich das hingezogen hat. Sie sind schon vor Ewigkeiten zu einem Ergebnis gekommen, warum also die lange Wartezeit, um die Ergebnisse zu verkünden? Es ist einfach dumm.“ Er betonte, dass die Premier League ihre eigene Glaubwürdigkeit untergräbt, indem sie zulässt, dass der Skandal monatelang über dem Verein und der gesamten Liga schwebt.
Ausblick / Vorschau auf das nächste Spiel
Die gesamte Fußballwelt hält den Atem an für Juni – die meisten Insider halten dies für den wahrscheinlichsten Zeitrahmen für das lang erwartete Urteil. Doch selbst die Veröffentlichung der Entscheidung der unabhängigen Kommission wird die Geschichte nicht beenden. Sollte City in mindestens einigen Punkten für schuldig befunden werden, wird der Verein sofort Berufung einlegen, was eine neue Runde von Verfahren auslöst.
Gleichzeitig beginnt eine zweite Phase – separate Anhörungen zur Festlegung konkreter Sanktionen. Erst nach deren Abschluss und der Ausschöpfung aller Rechtsmittel kann das endgültige Ergebnis bestimmt werden. Tom Murray fasste die Situation mit einer düsteren Prognose zusammen: „Ich wäre nicht überrascht, wenn wir in zwei Jahren immer noch keine endgültige Entscheidung hätten.“ Somit ist das größte juristische Drama in der Geschichte der Premier League noch lange nicht vorbei, und seine Konsequenzen sind von der Fußballwelt noch nicht vollständig zu erfassen.
— Editorial Team