# Arne Slots VAR-Frustrationen: Ist Liverpool wirklich benachteiligt?
Arne Slot ist überzeugt, dass Liverpool diese Saison zu oft die schlechtere Seite des VAR gezogen hat – und die Statistiken sprechen tatsächlich für ihn. Nach einer kontroversen Elfmeter-Entscheidung, die sie beim Champions-League-Aus gegen PSG das Genick brach, machte der niederländische Trainer auf ein Muster aufmerksam, das sein Team seiner Meinung nach das ganze Jahr plagt. Ist das nur Nachspiel-Frust, oder stecken echte Daten dahinter?
Der PSG-Vorfall, der die Debatte entfachte
Im Rückspiel gegen Paris St-Germain sah es so aus, als würde Liverpool wieder ins Spiel kommen, als Schiedsrichter Maurizio Mariani in der 64. Minute einen Elfmeter vergab, nachdem Alexis Mac Allister durch Kontakt mit Willian Pacho zu Boden ging. Doch das VAR schaltete sich schnell ein, und nach der Überprüfung der Bilder drehte Mariani seine ursprüngliche Entscheidung um.
Slot hielt sich danach nicht zurück: „So viele Entscheidungen sind in dieser Saison gegen uns gegangen.“ Er argumentierte, dass andere Teams von weichen Elfmetern profitieren, die trotz minimalem Kontakt bestätigt werden, während ähnliche Appelle von Liverpool routinemäßig abgewiesen – oder schlimmer, vom VAR umgestoßen – werden.
Das Kernproblem? Ob der Kontakt von Pacho ausreichte, um einen Fall zu rechtfertigen. Es gab zwar einen physischen Berührungspunkt – Pachos Stiefel streifte Mac Allisters –, doch er wirkte zufällig und nicht wie eine bewusste Aktion. In den meisten Fällen würde ein solcher Kontakt kein VAR-Eingreifen auslösen, es sei denn, die anfängliche Foulauswertung des Schiedsrichters (z. B. „Stolpern“ vs. „Schubsen“) wich stark von den Bildern ab.
Liverpools VAR-Bilanz über die Saison
Eine Analyse der Zahlen offenbart einen besorgniserregenden Trend für die Reds:
- 3 durch VAR verhängte Geganelfmeter in der Premier League (gegen Brentford, Leeds, Man City) – mehr als bei jedem anderen Klub zusammen mit Brighton.
- Nur 2 zugesprochene Elfmeter die ganze Saison, keiner per VAR, beide gegen Burnley.
- 6 negative VAR-Eingriffe insgesamt – nur hinter Fulham (9).
- Netto-VAR-Einfluss: -3 (günstige minus ungünstige), besser nur als Everton (-4).
Im Vergleich zu Rivalen wie Manchester City oder Arsenal, die von mehr günstigen Überprüfungen profitiert haben, wird schnell klar, warum Slot sich benachteiligt fühlt.
Bemerkenswerte Vorfälle umfassen:
- Ein weicher Foul von Van Dijk an Dango Ouattara bei Brentford, das nach VAR-Urteil zu einem Elfmeter wurde, weil der Kontakt im Strafraum stattfand.
- Ibrahima Konatés Umfall von Wilfried Gnonto auf Elland Road, das VAR korrekt zu einem Elfmeter hochstufte.
- Giorgi Mamardashvili bestraft fürs Anklemmen von Jeremy Doku im Etihad.
Dagegen blieben Liverpools eigene Elfmeterschreie – wie Matheus Nunes, der im Rückspiel gegen City von Alisson umgemäht wurde – trotz klarem Kontakt unbelohnt.
Grenzfall-Entscheidungen und der menschliche Faktor
Einige von Slots Beanstandungen betreffen Entscheidungen im Graubereich – so knapp, dass nicht einmal das Key Match Incidents Panel der Premier League einstimmig urteilt.
Beispiele:
- Nathan Collins’ Tackle an Cody Gakpo bei Brentford (3-2 Panel-Urteil: kein Elfmeter richtig).
- Leandro Trossards Tackle an Florian Wirtz im Spiel gegen Arsenal (3-2: kein Elfmeter richtig).
- Diego Gómez’ Rote Karte auf Anfield (3-2: hätte bestehen sollen).
Das sind keine offiziellen VAR-Fehler – sie erfüllten nicht den „klar und offensichtlich“-Schwellenwert –, aber sie nähren die Wahrnehmung von Inkonsistenz. Und Wahrnehmung zählt, besonders wenn Titelchancen an Feinheiten hängen.
Warum das für Liverpool anders wirkt
Es geht nicht nur um die reinen Zahlen. Der Kontext verstärkt die Frustration:
- Wichtige Spiele: Viele kontroverse Entscheidungen in entscheidenden Matches – gegen City, bei Brentford, in Europa.
- Offensivabhängigkeit: Mit einer Sturmreihe auf schnelle Umschaltmomente und körperliche Duelle aufgebaut, wirken Randalfouls im Strafraum direkt auf Torchancen.
- Defensive Schwäche: Van Dijk oder Konaté durch weiche Karten oder Elfmeter zu verlieren, entblößt eine ohnehin belastete Abwehr.
Andere Trainer – Guardiola, Carrick – haben ähnliche Klagen geäußert, aber Liverpools Kombination aus Quantität und Timing macht ihren Fall besonders.
Wichtige Erkenntnisse
- Liverpool hat den zweitschlechtesten Netto-VAR-Einfluss in der Premier League dieser Saison erlitten.
- Drei durch VAR verhängte Geganelfmeter sind ligaweit an der Spitze.
- Mehrere Grenzfälle wurden nicht als Fehler gewertet, haben aber Ergebnisse beeinträchtigt.
- Slots Frust basiert auf Daten, nicht nur auf Emotionen.
- Die PSG-Elfmeter-Umkehr passt in ein wiederkehrendes Muster umgestoßener Entscheidungen in Schlüsselmomenten.
Schlussfolgerung
Kein Team bekommt jeden 50/50-Entscheidung, aber Liverpools statistische Benachteiligung bei VAR-Ergebnissen ist real. Slot erfindet keine Verschwörung – er reagiert auf messbare Trends, die seinem Team Punkte und Schwung gekostet haben. Ob das systemischen Bias oder einfach Pech in knappen Situationen widerspiegelt, ist diskutabel, aber eines ist klar: Wenn Liverpool ganz oben mitspielen will, braucht es mehr günstige Sprünge – oder weniger Wege zum Monitor.
— Editorial Team