# Frauenmannschaft von Dijon vor ungewisser Zukunft durch Vereinsvernachlässigung
Die Frauenfußballmannschaft von Dijon glänzt in der französischen Topliga, doch ihre Zukunft hängt am seidenen Faden. Trotz des fünften Platzes in der Tabelle droht der Profiteam nächste Saison die Auflösung wegen einer schweren Finanzkrise im Verein, die die Frauenabteilung besonders hart trifft. Die Spielerinnen selbst haben öffentlich den Vorwurf erhoben, vom Vereinsmanagement im Stich gelassen zu werden.
Ein Appell aus Verzweiflung und Entschlossenheit
Anfang April veröffentlichten die Spielerinnen eine eindringliche Erklärung, in der sie sich „von Tag eins an unerwünscht“ fühlten und die „planlose und nachlässige“ Behandlung ihrer Mannschaft kritisierten. Das geschah nur Tage nachdem der Verein offiziell Pläne ankündigte, die Ambitionen bei den Frauen zurückzufahren – und sogar in Erwägung zog, das Profiteam für die kommende Saison komplett abzuschaffen. Im Kern ihrer Frustration steht Vereinspräsident Pierre-Henri Deballon, den sie „führungsschwacher“ Präsident und gleichgültig nennen und dessen Handlungen dazu führen, dass die Frauenabteilung verschwindet.
Deballon, ein Unternehmer, der im Juli 2024 das Ruder übernommen hat, hat offen erklärt, dass er beide Teams, die Männermannschaft und die Frauenmannschaft, nicht gleichermaßen finanziell stemmen könne. Er argumentiert, dass Herrenfußball, obwohl Dijons Männermannschaft in der nicht-professionellen dritten Division spielt, mehr Einnahmen generiert. „Wir können nicht dieselbe Energie in Herren- und Damenfußball investieren. Das ist unrealistisch“, sagte er in einem Interview. Eine Quelle im Verein beschreibt den geschäftstüchtigen Ansatz des Präsidenten so: „Wenn es kein Geld bringt, weg damit.“
Der finanzielle Kampf und verpasste Chancen
Der Verein soll in dieser Saison rund 5 Millionen € Defizit machen, wobei der Vorstand 1,5 Millionen € davon auf die Frauenabteilung schiebt. Die Spielerinnen und die Finanzverantwortliche der Frauenabteilung bestreiten diese Zahl und gehen von einem tatsächlichen Verlust von etwa 600.000 € aus.
- Die finanzielle Belastung verschärfte sich, als der Verein eine Förderung von 200.000 € vom Französischen Fußballverband verpasste – wegen eines administrativen Problems bezüglich der Qualifikationen des neuen Akademieleiters.
- Ein möglicher Transfer der polnischen Nationalspielerin Nadia Krezyman im Januar, der mindestens 100.000 € eingebracht hätte, platzte. Der damalige Sportdirektor Sylvain Carric soll das Angebot abgelehnt haben, und der Präsident erfuhr erst später davon. Krezyman wechselt nun ablösefrei ab.
- Ähnliche geplatzte Transfers führen dazu, dass die meisten Spielerinnen am Saisonende ablösefrei gehen, nur Akademieprodukt Lina Gay bleibt vertraglich gebunden.
Der Verein versucht seit über einem Jahr, die Frauenabteilung zu verkaufen. Verhandlungen mit einer amerikanischen Investmentfirma scheiterten, und der Vorstand ist nun bereit, sie kostenlos abzugeben, falls ein Käufer auftaucht.
Zusammenhalt in der Not
Trotz des düsteren Ausblicks haben sich die Spielerinnen vereint, um ihr Team zu retten. Sie haben miterlebt, wie andere französische Frauenvereine wie Bordeaux und Soyaux verschwanden, und sind fest entschlossen, das zu verhindern. Ihre Entschlossenheit wuchs durch die Art, wie sie vom möglichen Aus erfuhren – über eine Mitteilung auf der Vereinswebsite, die indirekt über eine Teamkollegin weitergegeben wurde und die sie als „letzte Beleidigung“ bezeichneten.
Allerdings fanden sie Unterstützung innerhalb des Vereins selbst. Die Männermannschaft demonstrierte vor einem kürzlichen Spiel Solidarität, indem sie T-Shirts mit Aufdrucken für die Frauenabteilung trug – eine abgestimmte Aktion zwischen den Teams, die in der offiziellen Vereinsberichterstattung auffällig fehlte.
Schlüsselpunkte
- Finanzielle Priorität: Die Vereinsführung setzt auf finanzielle Stabilität statt sportlicher Gleichberechtigung und lenkt Ressourcen bewusst auf die Männermannschaft, obwohl die Frauenliga besser abschneidet.
- Kommunikationsversagen: Die Krisenbewältigung des Managements zeichnet sich durch schlechte Kommunikation aus, wodurch die Spielerinnen sich respektlos und abgeschoben fühlen.
- Kaderzerfall: Finanzdesaster führte zu verpassten Transferchancen und damit zum wahrscheinlichen Verlust fast des gesamten Kaders per Ablöse.
- Interne Solidarität: Trotz institutioneller Vernachlässigung herrscht starker Zusammenhalt zwischen Herren- und Frauenmannschaft, was den Graben zwischen Spielern und Vorstand zeigt.
- Ungewisse Zukunft: Die Existenz des Teams als Profimannschaft hängt allein von einem neuen Käufer ab, den der derzeitige Eigentümer kostenlos übergeben würde.
Die Erklärung der Spielerinnen endete mit einem eindringlichen Appell: „Führen bedeutet Verantwortung übernehmen, nicht im Stich lassen. Wir spielen für diesen Verein. Er sollte für uns kämpfen. Wir verdienen Respekt.“ Mit dem Saisonende läuft ihre Schlacht weiter, doch die Uhr tickt.
— Editorial Team