# Warum Liverpool richtig handelte, Salah und Van Dijk zu verlängern, trotz aktueller Probleme
Liverpools Entscheidung, Mohamed Salah und Virgil van Dijk letztes Jahr zu verlängern, wird nun inmitten einer enttäuschenden Titelverteidigung in Zweifel gezogen – die Kritik ignoriert jedoch den Kontext, in dem diese Verträge abgeschlossen wurden. Damals wurden beide Verlängerungen weitgehend gelobt und als unverzichtbare Schritte gesehen, um Elite-Talente in einer Übergangsphase und emotionalen Turbulenzen beim Klub zu halten.
Der ursprüngliche Konsens war eindeutig
Als Liverpool Salahs neuen Vertrag verkündete, war die überwältigende Reaktion keine Skepsis – es war Erleichterung. Sogar angesehene Stimmen wie Jamie Carragher nannten es eine „riesige Erleichterung für alle Seiten“ und stellten es als Zeichen des Ambitions für die kommenden Saisons dar. Van Dijks Verlängerung eine Woche später rief ähnliche Gefühle hervor. Kaum jemand bezweifelte, ob es Sinn machte, den besten Innenverteidiger der Premier League zu halten, besonders nachdem er gerade eine titelgewinnende Abwehr mit beeindruckender Konstanz geführt hatte.
Paul Merson war einer der wenigen prominenten Kritiker, die die Klugheit bezweifelten, hohe Summen an einen 32-jährigen Stürmer zu binden. Doch seine einsame Stimme spiegelte nicht die allgemeine Meinung wider. Die meisten Analysten und Fans waren sich einig: Einen der beiden Spieler zu verlieren wäre weitaus riskanter gewesen als zu zahlen.
Kontext zählt mehr als der Rückblick
Seit diesen Verlängerungen hat sich vieles geändert. Diogo Jotas tragischer Tod hat das Team emotional erschüttert. Trent Alexander-Arnolds Weggang hat eine gewaltige Lücke auf der rechten Seite hinterlassen. Und Arne Slots erste Saison als Trainer verlief holprig mit inkonsistenten Leistungen und rätselhaften taktischen Entscheidungen.
Salahs Einbruch bei der Torbilanz – nur fünf Premier-League-Tore diese Saison – ist nicht rein körperlich bedingt. Seine Motivation und sein Einfluss wirken nachgelassen, vermutlich im Zusammenhang mit der allgemeinen Dysfunktion im Team. Van Dijk bleibt individuell solide, kann aber eine undichte Abwehr ohne Zusammenhalt nicht allein kitten.
Die Entscheidungen von letztem Jahr anhand der heutigen Ergebnisse zu bewerten, ist jedoch fehlerhafte Logik. Damals galt:
- Salah hatte über acht Jahre hinweg im Schnitt 36 Ligaspiele pro Saison bestritten
- Er spielte jedes Premier-League-Spiel in der titelgewinnenden Saison
- Van Dijk galt weiterhin als bester Innenverteidiger der Liga
- Es gab keine brauchbaren internen Ersatzoptionen für beide Positionen
Die Kosten des Verzichts wären höher gewesen
Manche halten das kombinierte Gehalt von 36–40 Millionen Pfund für zu teuer bei nachlassenden Stars. Doch betrachten wir die Alternative: Sie zu ersetzen.
Ohne Van Dijk wären Liverpools Abwehrprobleme noch gravierender – sie leiden bereits unter einem Mangel an zuverlässigen Innenverteidigern. Und einen Flügelstürmer zu finden, der konstant 20+ Tore und Assists abliefert, ist weder einfach noch billig. Selbst bei nachlassender Form hebt Salahs Präsenz die Obergrenze des Kaders.
Zudem sollen Van Dijks Vertrag Leistungsprämien enthalten, die den garantierten Aufwand begrenzen. Salahs Gehalt entsprach seinem Marktwert zu jener Zeit – er forderte nicht plötzlich Cristiano-Ronaldo-Niveau-Geld.
Angst vor Reue spielte eine Rolle – und das ist rational
Klubs verlängern Stars oft auch, um das Horrorszenario zu vermeiden: Sie bei einem anderen Verein aufblühen zu sehen. Stellen Sie sich vor, Salah zaubert in der Champions League für PSG oder Van Dijk führt einen titelstarken Rivalen an. Der Shitstorm wäre enorm gewesen.
Liverpool handelte nicht panisch – sie managten echtes Risiko. Zwei bewährte Sieger in einer sensiblen Phase zu halten, war strategisch klug, auch wenn die Saison 2025/26 nicht nach Plan verläuft.
Was kommt als Nächstes
Eine Sache ist klar: Salah wird diesen Sommer vermutlich gehen. Das ist jetzt der richtige Schritt – seine Rolle hat abgenommen, und ein Neustart nützt allen Beteiligten. Das macht die Verlängerung letztes Jahr aber nicht rückwirkend zum Fehler. Sie war richtig basierend auf den damaligen Informationen.
Van Dijk könnte länger bleiben. Seine Führungsstärke und sein Abwehrverständnis bleiben wertvoll, auch wenn sein Zenit überschritten ist. Das wahre Problem sind nicht ihre Verträge – es ist der Mangel an Kaderentwicklung um sie herum.
Wichtige Erkenntnisse
- Liverpools Verlängerungen von Salah und Van Dijk waren logische, datenbasierte Entscheidungen im Frühling 2025
- Die aktuellen Probleme rühren von trainerischer Instabilität, emotionalen Schicksalsschlägen und fehlender Kadertiefe her – nicht nur von alternden Stars
- Einen der Spieler zu ersetzen hätte mehr in Transfergebühren, Gehältern und Leistungsverlusten gekostet
- Hindsight Bias verzerrt die faire Bewertung der Strategie von letztem Jahr
- Salahs erwarteter Abgang diesen Sommer passt zu natürlichen Kaderzyklen, nicht zu Vertragsreue
Die Lehre lautet nicht „bezahlt nie ältere Stars“. Sondern: „Baut einen Kader, der nicht allein auf sie angewiesen ist.“ Liverpool hat den ersten Teil richtig gemacht. Den zweiten verpasst.
— Editorial Team