Brasilianischer Fußballverband plant vereinigte Liga bis 2026
Der brasilianische Fußball steht vor einer umfassenden Strukturreform. Der Brasilianische Fußballverband (CBF) hat den 40 Top-Clubs des Landes einen detaillierten Fahrplan vorgelegt, der darauf abzielt, die derzeit getrennten Série A und Série B in einer einzigen, zusammenhängenden Liga zu vereinen. Das Ziel ist es, bis Ende 2026 eine formelle Ligasatzung zu verabschieden – ein bedeutender Schritt zur Modernisierung des nationalen Fußballs.
Der Plan kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der CBF eine sogenannte 'systemische Lücke' in zehn kritischen Bereichen identifiziert hat. Diese reichen von grundlegenden Problemen wie Spielplanung und Stadionstandards bis hin zu größeren kommerziellen Herausforderungen in den Bereichen Übertragungsrechte, Marketing und Finanzverwaltung. Die Analyse des Verbands legt nahe, dass diese Lücken den brasilianischen Fußball daran hindern, sein volles Potenzial auf der globalen Bühne auszuschöpfen.
Der Fahrplan zur Vereinigung
Der Zeitplan des CBF ist ambitioniert. Von Mai bis Juli 2026 sollen die Vereine ihre formellen Vorschläge für die Struktur der neuen Liga einreichen. Die folgenden zwei Monate, August und September, sind für die Vorstellung dieser Pläne und die endgültige Genehmigung durch alle Beteiligten vorgesehen. Im letzten Quartal des Jahres wird dann der Fokus auf die Details liegen: die kommerzielle Strukturierung und die Ausarbeitung der offiziellen Ligasatzung.
Dieser Vorstoß zur Einheit adressiert eine langjährige Spaltung. Brasilianische Vereine sind derzeit zwischen zwei verschiedenen kommerziellen Blöcken aufgeteilt: Libra und FFU. Der neue Fahrplan ist der Versuch des CBF, alle an einen Tisch zu bringen, um eine stärkere, zentralisiertere Einheit zu schaffen. Die zugrundeliegende Überzeugung ist, dass eine vereinte Front entscheidend ist, um bessere TV-Verträge auszuhandeln, die Produktqualität zu verbessern und die Gesamteinnahmen zu steigern.
Identifizierung der systemischen Lücken
Was genau muss also verbessert werden? Der Bericht des CBF weist auf mehrere Schlüsselprobleme hin, bei denen Brasilien hinter den großen europäischen Ligen zurückliegt. Ein herausragendes Problem ist die Spielplanung. Erstaunliche 80 % der Spiele in der brasilianischen Erstliga werden nachts ausgetragen. Verglichen mit 25 % in der englischen Premier League, 60 % in Spaniens La Liga und 30 % in der deutschen Bundesliga. Der CBF argumentiert, dass dieser nachtlastige Spielplan wahrscheinlich die Stadionbesuche beeinträchtigt – eine entscheidende Quelle für Atmosphäre und Einnahmen.
Auch das Fan-Erlebnis und die Sicherheit sind große Sorgen. Eine in Zusammenarbeit mit dem CBF durchgeführte Umfrage ergab, dass 74 % der Befragten Sicherheitsrisiken in brasilianischen Stadien wahrnehmen. Die Verbesserung dieser Wahrnehmung wird als entscheidend angesehen, um mehr Fans in die Stadien zu locken. Die finanzielle Lücke ist eine weitere harte Realität. Trotz Brasiliens riesiger Bevölkerung von 210 Millionen und 20 Erstliga-Vereinen sind die Gesamteinnahmen der Liga weniger als ein Drittel der Bundesliga, die in einem Land mit 84 Millionen Einwohnern und 18 Vereinen operiert.
- Ungleichgewicht im Spielplan: Übermäßige Abhängigkeit von Nachtabstimmungen unterdrückt möglicherweise die Live-Besuche.
- Stadionstandards: Bedenken hinsichtlich Fansicherheit und Einrichtungsqualität müssen angegangen werden.
- Einnahmenunterschied: Die kommerzielle Leistung ist im Vergleich zur Fußballleidenschaft und Bevölkerungsgröße des Landes unverhältnismäßig niedrig.
- Zersplitterte Verwaltung: Die Spaltung zwischen den Libra- und FFU-Blöcken erschwert kollektive Entscheidungsfindung.
- Produktkonsistenz: Probleme von der Platzqualität bis zur Übertragungspräsentation müssen standardisiert werden.
Wichtige Entscheidungen auf dem Tisch
Sobald die vereinigte Liga gebildet ist, werden mehrere umstrittene Regeln zur Debatte stehen. Die Vereine selbst werden durch das neue Ligagremium das letzte Wort haben. Ein heißes Thema ist die Verwendung von Kunstrasen. Mehrere namhafte Vereine, darunter Atlético Mineiro, Athletico Paranaense, Botafogo, Chapecoense und Palmeiras, nutzen derzeit künstliche Plätze. Es gibt jedoch erheblichen Schwung unter den meisten Vereinen, ein ligaweites Verbot umzusetzen und natürlichen Rasen für Konsistenz und Spielqualität zu bevorzugen.
Andere potenzielle Änderungen auf der Tagesordnung könnten den Wettbewerb selbst neu gestalten. Es wird erwartet, dass Diskussionen die Reduzierung der Anzahl der aus der obersten Liga absteigenden Teams von vier auf drei pro Saison umfassen. Auch die Regeln bezüglich ausländischer Spieler stehen zur Debatte, wobei das aktuelle Limit von neun nicht-brasilianischen Spielern pro Spieltagskader überprüft werden soll.
Die kommerzielle Notwendigkeit
Ein Kernprinzip, das diese Vereinigung antreibt, ist die Notwendigkeit, den gesamten finanziellen 'Kuchen' zu vergrößern, bevor die Vereine darüber streiten, wie er aufgeteilt wird. Der CBF macht deutlich, dass das primäre Ziel darin besteht, die Gesamtligaeinnahmen zu steigern. Die aktuellen Übertragungsverträge mit den Libra- und FFU-Blöcken laufen bis Ende 2029. Das bedeutet, dass jeder neue, vereinheitlichte Übertragungsvertrag, der von der vorgeschlagenen Liga ausgehandelt wird, erst zur Saison 2030 beginnen würde, was dem neuen Gremium Zeit gibt, sich zu etablieren und seinen Wertbeitrag aufzubauen.
Der Weg ist vorgezeichnet und die Uhr tickt. Der brasilianische Fußball steht an einem Scheideweg, wobei 2026 ein entscheidendes Jahr zu werden verspricht. Der Erfolg dieses Vereinigungsplans hängt davon ab, 40 Vereine mit unterschiedlichen Interessen auf eine gemeinsame Vision für die Zukunft zu verpflichten. Wenn sie erfolgreich sind, könnte dies den Beginn einer neuen, wohlhabenderen Ära für eine der fußballbegeistertsten Nationen der Welt markieren.
Wichtige Erkenntnisse
- Der CBF strebt an, Brasiliens Série A und B bis Dezember 2026 unter einer einzigen Ligasatzung zu vereinen.
- Ein Haupttreiber ist die Bewältigung einer 'systemischen Lücke' in zehn Bereichen, einschließlich Spielplanung, Stadien und kommerziellen Einnahmen.
- Kritische Entscheidungen, wie das Verbot von Kunstrasen und Änderungen der Abstiegsregeln, werden an das neue Ligagremium übergeben.
- Das Hauptziel ist es, die Gesamtligaeinnahmen zu steigern, wobei ein neuer vereinheitlichter TV-Vertrag für die Saison 2030 angestrebt wird.
- Die Vereinigung erfordert die Überbrückung der derzeitigen Kluft zwischen den Libra- und FFU-Vereinsblöcken.
— Editorial Team