Diamond League in Xiamen: Shericka Jacksons Sieg und Warholm gegen Dos Santos – das Duell
Beim chinesischen Meeting am 23. Mai gewann die jamaikanische Sprinterin die 200 m, während Norwegens Karsten Warholm und Brasiliens Alison dos Santos ihren Zweikampf über die Hürden fortsetzten.
Diamond League in Xiamen: Shericka Jackson glänzt, Warholm unterliegt Dos Santos erneut
Datum: 23. Mai 2026
Veranstaltung: World Athletics Diamond League, zweites Meeting der Saison 2026
Austragungsort: Egret Stadium, Xiamen, China
Preisgeld: Über 9 Millionen US-Dollar (gesamte Serie über 9 Millionen US-Dollar)
Hauptereignis
Am 23. Mai 2026 fand im Egret Stadium in Xiamen, China, das zweite Meeting der prestigeträchtigen Diamond-League-Serie statt. Der Abend war geprägt von herausragenden Ergebnissen und der Fortsetzung der wichtigsten Rivalitäten, die den Ton für die gesamte Saison angegeben haben.
Der größte Star im Frauensprint war erneut die jamaikanische Läuferin Shericka Jackson, die die 200 m dominierte. Bei den Männern war der Höhepunkt das neueste Kapitel der epischen Rivalität über 400 m Hürden: Brasiliens Alison dos Santos besiegte den Olympiasieger und Weltrekordhalter Karsten Warholm aus Norwegen zum zweiten Mal innerhalb von acht Tagen.
Das Meeting in Xiamen bestätigte ebenso wie das eine Woche zuvor in Shanghai den hohen Stellenwert der chinesischen Meetings im Diamond-League-Kalender. Die Athleten erzielten mehrere Weltjahresbestleistungen, und die chinesischen Fans wurden Zeugen einer historischen Leistung einer jungen Landsfrau.
Details und Statistiken
Shericka Jackson: Königin der 200 m
Die 200 m der Frauen wurden von Shericka Jackson dominiert. Die zweifache Weltmeisterin über diese Distanz zeigte eine beeindruckende Form und finishte in 21,87 Sekunden.
Dieses Ergebnis stellte einen neuen Meeting-Rekord in Xiamen auf und lag nur 0,01 Sekunden über der Weltjahresbestzeit, die zuvor von einer anderen jamaikanischen Läuferin aufgestellt worden war. Bemerkenswerterweise war Jackson die einzige Finalistin, die unter 22 Sekunden blieb.
Den zweiten Platz belegte die erfahrene Shaunae Miller-Uibo von den Bahamas (22,04 Sekunden), während die Amerikanerin Anavia Battle Dritte wurde (22,29 Sekunden). Jacksons Hauptrivalin, die Olympiasiegerin über 100 m Sha'Carri Richardson, landete überraschend nur auf Platz vier mit 22,38 Sekunden.
Dos Santos vs. Warholm: Das Duell geht weiter
Bei den 400 m Hürden der Männer trafen die beiden Titanen dieser Disziplin erneut aufeinander: der amtierende Olympiasieger und Weltrekordhalter Karsten Warholm und sein größter Herausforderer Alison dos Santos. Wie bereits eine Woche zuvor in Shanghai über die nicht-olympische 300-m-Distanz ging der Brasilianer als Sieger hervor.
Dos Santos stoppte die Uhr bei 46,72 Sekunden, einer Weltjahresbestzeit. Warholm lag 0,10 Sekunden zurück mit 46,82 Sekunden. Der entscheidende Moment kam am Ende des Rennens: Der Norweger, bekannt für seinen phänomenalen Endspurt, unterlief ein technischer Fehler an den letzten beiden Hürden, was dos Santos den Sieg ermöglichte.
„Ich fühle mich großartig. Ich versuche immer, bis zur 300-Meter-Marke Geschwindigkeit aufzubauen. Man kann nicht von Anfang an Vollgas geben, daher bin ich mit meiner Zeit zufrieden“, kommentierte Alison dos Santos seinen Sieg.
Masai Russell: Zweitschnellste der Geschichte
Ein weiteres herausragendes Ereignis des Abends waren die 100 m Hürden der Frauen. Die Amerikanerin Masai Russell erzielte eine phänomenale Zeit von 12,14 Sekunden.
Dies ist nicht nur ein neuer US-Rekord und Diamond-League-Rekord, sondern auch die zweitschnellste Zeit in der Geschichte über diese Distanz. Nur die Nigerianerin Tobi Amusan war schneller, die 2024 den Weltrekord von 12,12 Sekunden aufstellte. Diesmal wurde Amusan Zweite mit 12,28 Sekunden.
Yan Ziyi: Historischer Wurf
Die 18-jährige chinesische Speerwerferin Yan Ziyi, die bei ihrem Heim-Meeting antrat, sorgte für eine Sensation. Bei ihrem Diamond-League-Debüt schleuderte sie den Speer auf 71,74 Meter.
Dieses Ergebnis wurde:
- U20-Weltrekord
- Chinesischer Rekord
- Meeting-Rekord
- Zweitbeste Leistung der Geschichte hinter dem Weltrekord der Tschechin Barbora Špotáková (72,28 Meter).
Yan Ziyi übertraf die Olympiasiegerin Osleidys Menéndez aus Kuba (71,70 Meter) und liegt nun auf Platz zwei der ewigen Bestenliste der Speerwerferinnen.
Kontext und Bedeutung
Die Rivalität zwischen Alison dos Santos und Karsten Warholm ist seit mehreren Jahren die zentrale Geschichte im internationalen Hürdenlauf. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris gewann der Brasilianer Bronze, während der Norweger Silber holte (Gold ging an den Amerikaner Rai Benjamin). Nun, in der olympischen Saison 2026 (die Spiele finden in Brisbane, Australien, statt), präsentiert sich dos Santos stärker: zwei Starts, zwei Siege gegen seinen Hauptrivalen.
Shericka Jackson, die die Olympischen Spiele in Paris verletzungsbedingt verpasst hatte, ist in Topform zurückgekehrt und strebt nach Gold in Brisbane. Ihre 21,87 Sekunden im Mai sind eine hervorragende frühe Saisonbestleistung.
Was die 18-jährige Chinesin Yan Ziyi betrifft, so ist ihr Wurf von 71,74 m eine Absichtserklärung für die zukünftige Weltdominanz. Mit 18 Jahren hat sie bereits weiter geworfen als die meisten Olympiasiegerinnen der Geschichte. Wenn sie ihre Fortschritte beibehält, könnte Barbora Špotákovás Weltrekord aus dem Jahr 2008 bereits in dieser Saison fallen.
Ausblick / Nächstes Meeting
Das dritte Meeting der Diamond League findet am 31. Mai 2026 in Rabat, Marokko, statt. Es wird erwartet, dass es wieder die besten Athleten der Welt zusammenbringt, darunter wahrscheinlich das Trio dos Santos, Warholm und Benjamin, die endlich gemeinsam antreten könnten.
Das Diamond-League-Finale ist für September in Brüssel geplant.
Redaktionelle Prognose
Die Rivalität zwischen Warholm und dos Santos heizt sich erst richtig auf. Der Brasilianer wirkt derzeit selbstbewusster und konstanter: Er hat beide chinesischen Meetings gewonnen und scheint den Schlüssel zur Taktik des Norwegers gefunden zu haben. Allerdings ist Warholm ein Kämpfer mit der Mentalität eines Champions, und seine Fehler am Ende in Xiamen sind eher ein Ausrutscher als ein Muster. Die Redaktion prognostiziert, dass der Norweger in Rabat (31. Mai) Revanche nehmen wird. Doch das Hauptereignis, auf das alle warten, ist ihr direktes Duell bei den Olympischen Spielen in Brisbane in diesem Sommer. Der Favorit dort steht noch nicht fest.
— Editorial Team