Kanadas neues Safe-Sport-Register deckt Missbrauchsfälle auf – BC Soccer mit Klagen konfrontiert
Kanada hat einen wichtigen Schritt zu mehr Transparenz im Sport unternommen, indem es ein öffentliches Register gesperrter Personen eingeführt hat. Das Canadian Safe Sport Program Public Register listet Personen auf, die wegen Fehlverhaltens wie sexuellen Übergriffen und Missbrauch Minderjähriger suspendiert oder gesperrt wurden. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem BC Soccer mit rechtlichen Schritten ehemaliger Spieler konfrontiert ist, die von einem Trainer missbraucht wurden, der nun in diesem Register steht.
Die erste Phase des Registers und Schlüsselfälle
Das von Sport Integrity Canada erstellte Register ist derzeit für nationale Sportorganisationen freiwillig, soll aber verpflichtend werden. Es enthält bereits bekannte Fälle wie den ehemaligen Canada-Soccer- und Vancouver-Whitecaps-Trainer Bob Birarda. Birarda hatte sich 2022 in drei Fällen sexuellen Übergriffs und einem Fall sexueller Belästigung von Spielerinnen unter seiner Obhut schuldig bekannt. Seine Aufnahme verdeutlicht Lücken in früheren Systemen, in denen Sperren nicht öffentlich bekannt gegeben wurden.
Signy Arnason, Geschäftsführerin von Safe Sport bei Sport Integrity Canada, betonte, dass dies erst der Anfang sei. Sie sagte gegenüber The Guardian, dass Birardas Abwesenheit in früheren Registern „ein perfektes Beispiel für eine ernsthafte Lücke war, die geschlossen werden muss – keine Frage“. Das Programm wurde von 93 nationalen Sportorganisationen übernommen, wovon 80 freiwillig Informationen bereitstellen. Einige große Organisationen wie Hockey Canada, die wegen ihres Umgangs mit Missbrauchsfällen unter Beobachtung stehen, nehmen jedoch noch nicht teil.
Zu den Kernelementen des Registers gehören:
- Öffentliche Auflistung von Personen, die wegen Fehlverhaltens gesperrt oder suspendiert wurden
- Fokus auf strafrechtliche Verurteilungen wegen sexuellen Übergriffs, sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und Grooming
- Derzeit freiwillige Teilnahme mit Bestrebungen für verpflichtende Anforderungen
- Internationale Relevanz, da Trainer zwischen Ländern wechseln
Rechtliche Schritte gegen BC Soccer
BC Soccer sieht sich nun mit rechtlichen Ansprüchen mehrerer ehemaliger Spieler konfrontiert, die von Birarda im Raum Vancouver trainiert wurden. Diese Spieler hatten Beweise vorgelegt, die zu Birardas strafrechtlicher Verurteilung und Haftstrafe führten. Sie haben einen finanziellen Anspruch gegen die Organisation geltend gemacht, die bisher keine Stellungnahme abgegeben und sich nicht geäußert hat. Laut einer mit dem Fall vertrauten Person hat BC Soccer den Klägern ein „unangemessen niedriges“ Gegenangebot unterbreitet.
Der Finanzbericht der Organisation für 2024 verweist auf „Ansprüche im Zusammenhang mit historischen Vorfällen“ und stellt fest, dass „Höhe und Wahrscheinlichkeit eines Verlusts nicht bestimmbar sind“. BC Soccer wird von der Anwaltskanzlei Alexander Holburn in Vancouver vertreten, bei der Bruno De Vita – stellvertretender Vorsitzender des FIFA-Ethikkomitees und Schiedsrichter am Internationalen Sportgerichtshof – Partner ist. Die Kläger werden von der DWF Group vertreten.
Warum dieses Register global wichtig ist
Arnason betonte, dass die Globalisierung des Sports solche Register unverzichtbar mache. Personen könnten zwischen Ländern wechseln, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden, wie Fälle wie der von George Barber zeigen. Dieser Leichtathletiktrainer wurde 2015 von Athletics Canada gesperrt, nachdem bekannt wurde, dass er 2007 wegen sexueller Handlungen mit einer Schülerin während seiner Anstellung an einer US-Highschool verurteilt worden war.
„Wir wissen, dass Menschen durch das System wandern“, sagte Arnason. „Dieses Register ist für die internationale Gemeinschaft so entscheidend. Es geht nicht nur um Kanada. Es geht darum, dass alle prüfen, wie man diese wirklich ernsten Probleme auf sinnvolle Weise am besten angehen kann.“
Die Future of Sport in Canada Commission empfahl, die Teilnahme am Register verpflichtend zu machen und die Finanzierung an die Einhaltung zu knüpfen. Arnason unterstützt dies und erklärt: „Wir wollen die Möglichkeit einer Person einschränken, anderen innerhalb des Systems Schaden zuzufügen.“
Wichtige Erkenntnisse
- Kanadas neues Safe-Sport-Register listet öffentlich Personen auf, die wegen Fehlverhaltens wie sexuellem Missbrauch gesperrt wurden
- Die Aufnahme des ehemaligen Trainers Bob Birarda deckt frühere Transparenzdefizite im kanadischen Fußball auf
- BC Soccer sieht sich mit rechtlichen Ansprüchen von Birardas Opfern konfrontiert, während die Organisation schweigt
- Das Register soll verhindern, dass gesperrte Personen unerkannt zwischen Ländern wechseln
- Der Druck wächst, die Teilnahme am Register für alle Sportorganisationen verpflichtend zu machen
— Editorial Team