# Wer ist wirklich derzeit der beste Torhüter der Welt?
Die Debatte darüber, wer die Krone als bester Torhüter der Welt trägt, heizt sich erneut auf – dank herausragender Leistungen in der Champions League und bevorstehender internationaler Turniere. Mit Namen wie David Raya, Manuel Neuer, Emiliano Martínez und Alisson, die alle überzeugende Argumente liefern, geht es längst nicht mehr nur um Paraden. Es geht um Einfluss, Konstanz und entscheidende Momente, wenn es wirklich drauf ankommt.
Das Argument für David Raya
David Raya hat sich leise zu einer der zuverlässigsten letzten Rückzugsburgen Europas entwickelt. Im knappen 1:0-Sieg des FC Arsenal gegen Sporting in der Champions League parierte er viermal entscheidend – darunter einen spektakulären Tipp an die Latte von Maxi Araujo –, der sein Team am Leben hielt, bevor Kai Havertz den Sieg endgültig besiegelte.
Seit Beginn der letzten Saison kassierte Raya in 23 Champions-League-Einsätzen nur 12 Tore und verhinderte schätzungsweise 9,0 erwartete Tore. Solche Überperformances sind kein Zufall – das ist élite Shot-Stopping gepaart mit kluger Positionierung.
Er führt zudem alle Torhüter in den Top-5-Ligen Europas mit 22 zu null gehaltenen Spielen in allen Wettbewerben an. Obwohl er für die spanische Nationalmannschaft übersehen wird (wo Unai Simón nach Trainer Luis de la Fuente „unantastbar“ bleibt), spricht Rayas Vereinsform Bände. Sogar der ehemalige Arsenal-Verteidiger Lee Dixon nannte ihn bei BBC Radio 5 Live „weltklasse“ und lobte, wie er seine Abwehr dirigiert.
Trotzdem halten Rayas fehlende Länderspiele – und sein Ausbleiben aus den Top Drei des Yashin Trophies 2025 – ihn für manche knapp außerhalb des absoluten Weltspitze.
Neuer dreht die Uhr zurück
Mit 40 Jahren sollte Manuel Neuer keine karriere-definierenden Vorstellungen abliefern. Und doch tat er genau das im Champions-League-Duell des FC Bayern München im Bernabéu. Gegen Kylian Mbappé, Vinícius Júnior und Jude Bellingham lieferte Neuer ab, was Peter Schmeichel als „eines der besten Spiele, das ich je gesehen habe“, bezeichnete – und hob eine Parade gegen Mbappé als „wahrscheinlich die beste Parade der Saison“ hervor.
Das war Neuers 136. Champions-League-Start – gleichauf mit Messis Rekord für Barcelona und nur hinter Iker Casillas bei Vereinsauftritten. Sein Pokalschrank umfasst zwei Champions Leagues, 12 Bundesliga-Titel und eine WM. Und obwohl er 2024 von der deutschen Nationalmannschaft zurückgetreten ist, haben seine Heldentaten in Madrid ernsthafte Rufe nach einem Nationalteam-Comeback ausgelöst.
Neuer hat den Yashin Trophy nie gewonnen, doch sein Vermächtnis ist lückenlos. Die Frage ist nun, ob seine aktuelle Form beweist, dass er immer noch zu den allerbesten gehört – oder ob das eine glorreiche Ausnahme war.
Die preisgekrönten Kandidaten
Emiliano Martínez dominiert die individuellen Auszeichnungen seit Argentiniens WM-Triumph 2022. Er holte den Yashin Trophy 2023 und 2024 und gewann zweimal FIFAs Best Men’s Goalkeeper. Sein Trainer Unai Emery schont keine Worte: „Er ist der beste Torhüter der Welt.“
Martínez wies in 12 Champions-League-Spielen letzte Saison eine Paradequote von 80 % auf. Seine Elfmeterkünste – besonders in entscheidenden Momenten – machen ihn einzigartig. Doch sein Verein Aston Villa hat Europa kürzlich nicht in den späteren Runden erreicht, was seine Sichtbarkeit an den großen Abenden einschränkt.
Dann ist da Alisson Becker. Als Liverpool PSG in der letzten Saison in der Champions-League-Achtelfinalrunde 1:0 bezwang, war Alisson der unumstrittene MVP. Trainer Arne Slot erklärte ihn zum „besten der Welt“, und die Zahlen bestätigen das: 86,1 % Paradequote in 12 Champions-League-Spielen seit letzter Saison mit insgesamt 37 Paraden. Yashin-Gewinner 2019 und ständiger Top-Drei-Finisher verbindet Alisson Reflexe, Spielaufbau und Gelassenheit wie kaum ein anderer.
Thibaut Courtois, der derzeit mit einem Oberschenkelanriss pausiert, bleibt eine große Nummer in dieser Diskussion. In 23 Champions-League-Spielen seit letzter Saison parierte er 105 Mal bei 78,2 % Quote. Real Madrid vermisst ihn schmerzlich – seine Abwesenheit hat ihre defensive Zerbrechlichkeit offengelegt. Trainer Álvaro Arbeloa nannte ihn einst „den besten Torhüter aller Zeiten“, und seine zwei Champions-League-Titel mit den Los Blancos geben dem Gewicht.
Aufstrebende Stars und konstante Performer
Gianluigi Donnarumma kam zu Manchester City als bewährter Sieger – frisch vom Yashin Trophy 2025 und einer Champions League mit PSG. Pep Guardiola vertraut ihm blind, nennt ihn eine „große Präsenz auf den großen Bühnen“. Die Anpassung an die Körperlichkeit der Premier League fiel jedoch schwer, besonders bei Standards. In 24 Champions-League-Spielen seit letzter Saison kassierte er 25 Tore und hielt neunmal zu null – nicht schlecht, aber nicht dominant.
Mike Maignan, der Donnarumma bei AC Milan ersetzte, hat seinen eigenen Weg eingeschlagen. Nach dem Ligue-1-Sieg mit Lille führte er Mailand zum ersten Scudetto seit 11 Jahren. Seine Konstanz erntete Lob von Legende Dida, der ihn sogar über Donnarumma stellte: „Wegen seiner Konstanz ist er der Beste der Welt.“
Yassine Bounou hat eine einzigartige Geschichte. Obwohl er nun bei Al-Hilal in Saudi-Arabien spielt, bleibt sein Einfluss auf den internationalen Fußball enorm. Er schoss Marokko 2022 ins historische WM-Halbfinale und parierte zwei Elfmeter im Halbfinale der Afrika-Cup der Nationen 2025. Marokko wurde später nach einem umstrittenen Finalurteil zum Titelträger gekürt – Senegal legt Berufung ein. Bounou landete 2023 Dritter im Yashin Trophy, was afrikanische Torhüter in diese Elite-Riege rückt.
Wichtige Erkenntnisse
- David Raya führt Europa bei zu null gehaltenen Spielen an und glänzt bei verhinderten erwarteten Toren – mangelt es aber an Länderspielminuten.
- Manuel Neuer lieferte mit 40 gerade eine der besten Champions-League-Auswärtsleistungen aller Zeiten und entfacht seinen legendären Status neu.
- Emiliano Martínez und Alisson dominieren Auszeichnungen und Paradequoten, gestützt auf WM- und Champions-League-Erfolge.
- Thibaut Courtois bleibt auf Top-Niveau, wenn fit, doch Verletzungen schaden Real Madrids Stabilität.
- Donnarumma, Maignan und Bounou bringen jeweils einzigartige Stärken mit – Konstanz, Führungsqualitäten und Heldentaten bei Großturnieren.
Der „Beste“ hängt davon ab, was man schätzt: Langlebigkeit (Neuer), Silberware (Courtois), Clutch-Gen (Martínez) oder statistische Dominanz (Raya, Alisson). Mit der nahenden WM werden diese Debatten nur noch intensiver.
— Editorial Team